2. Tag - 20.03.
10:00 Tal 19 (PowerPoint Präsentation, Fachaustausch, Diskussion, Besichtigung)
Nachmittags Reflexion in der Gruppe und Kulturelles
abendlicher Ausklang :)
Bei der Hinfahrt mit der U-Bahn wird deutlich, dass auch in München die Barrierefreiheit der Öffis nicht durchgehend gegeben ist. Wir treffen eine E-Rolli Fahrer, der uns bittet, ihm beim Einstieg zu helfen. Der Bahnsteig ist zwar mit dem Zugeinstieg auf einer Ebene, allerdings ist der Spalt zwischen Zug und Bahnsteig für den Rollstuhlfahrer ein unüberwindbares Hindernis.
TAL 19: Netter Empfang, Vorstellung von Frau Diana Koch. Wir stellen uns vor und erörtern kurz den Grund unseres Besuches. Nach einer einführenden PowerPoint bekamen wir einen Überblick im Detail.
-Telefonberatung (rund um die Uhr, von gut geschulten und begleiteten ehrenamtlichen Mitarbeitern)
-Onlineberatung
-Selbsthilfegruppen (Vermittlung)
-Einzel- und Gruppentherapie (Verhaltenstherapie, Gestalttherapie, Tiefenpsychologie)
-kontrolliertes Trinken
Obwohl Alkoholsucht das Hauptthema von Tal 19 darstellt, finden sich auch sehr interessante Programme zum genaueren Betrachten, Überdenken und Reduzieren des Cannabis- Konsums:
Bei "Quit the Shit" handelt es sich um ein interaktives Beratungsprogramm, das sich an Cannabis- Konsumenten wendet und auch außerhalb Deutschlands jeden Interessenten dabei unterstützt, den Cannabis- Konsum zu reduzieren. Unter www.drugcom.de finden sich dazu weitere Hinweise und Schritte.

Ich denke für die ganze Gruppe zu sprechen wenn ich sage, dass wir alle sehr schockiert waren über die aktuellen Entwicklungen in der deutschen Drogenszene:
neben dem deutlichen Anstieg von Crystal Meth- Konsumenten (insbesondere in den Hauptstädten sowie den Bundesländern nahe der tschechischen Grenze) wird als neueste Modedroge vermehrt Badesalz konsumiert. Die besondere Problematik liegt darin, dass Ärzte bisher noch vollkommen überfordert sind mit der Frage, wie eine Überdosis von Badesalz zu behandeln ist. Die Zusammensetzungen dieser Modedroge sind derart vielfältig und unerforscht, dass eine angemessene Behandlungsmethode (im Gegensatz zu einer Heroin- oder Kokain- Überdosis) derzeit nicht gegeben ist.
Ebenso gemütlich wie Abend 1. Der Austausch unter den Mitreisenden ist äußerst spannend. Die unterschiedlichen Professionen und damit verknüpften Biographien machen die Gespräche sehr lebendig.
Oh ja, wahrlich gemütliche Abende welche trotz Müdigkeit deutlich länger dauerten als geplant ;)
Auch ich empfand den Austausch der Gruppe als sehr bereichernd und unser Miteinander stets als sehr angenehm und wertschätzend!
Da wir uns ja nach unserem Besuch bei Tal 19 direkt in der Innenstadt von München zwischen "Viktualienmarkt" und Marienkirche befanden, hatten wir auch die Gelegenheit, jene Menschen zu treffen, die die touristischen Hauptverkehrswege nutzten, um auf der Straße mit einem Becher um Spenden zu bitten. Wir sprachen am Rande des Viktualienmarktes einige "Bettler" an, um mehr über ihre Lebenssituation zu erfahren. Da konnten wir einige interessante Informationen sammeln. Auf der linken Seite des Platzes saßen ein Mann und zwei Frauen, die als wir sie ansprachen, mitteilten, dass sie nicht aus Deutschland, sondern aus der Slowakei und Ungarn seien. Sie verstanden uns auch nicht wirklich gut, daher konnten wir mit ihnen kein Gespräch führen. Auf der rechten Seite des Platzes fiel uns ein alter Mann in einem Rollstuhl mit weißem Bart auf, der einen McDonalds Becher auf seienm Schoß hatte. Daneben stand ein Mann, der etwas jünger war mit 2 großen Lidl Taschen. Wir gingen zu den beiden und begannen ein Gespräch mit Ihnen. Wir fragten, ob wir das Gespräch, für unser Reisetagebuch aufzeichnen durften, das lehnten beide entschieden ab. Meinem Empfinden nach, schämten sie sich für die Situation. Sie waren jedoch bereit mit uns zu sprechen. Der ältere Mann im Rollstuhl ist bereits seit 1938 in München und lebt in einer kleinen Wohnung. Das Geld, dass er vom Staat bekommt, reicht jedoch leider nicht für ein unbeschwertes Leben aus, daher muss er, um sich ernähren zu können, tagsüber die Menschen auf der Straße um Geld bitten. Familie hat er keine mehr. Der jüngere Mann hat noch eine Schwester, mit der er auch gemeinsam in einer kleinen Wohnung lebt. Auch er hat nicht genug, um über die Runden zu kommen. Sie erzählen uns, dass die "Bettler" auf der anderen Seite zur Bettelmafia aus dem ehemaligen Ostblock gehören. Zu ihnen kommen regelmäßig die "Mafiabosse" mit großen teuren Autos und nehmen ihnen das Geld ab. Diese Tatsache hat die beiden sehr aufgeregt und emotional aufgeschaukelt, meiner Meinung nach, war da auch ein bisschen Angst und Wut dabei. Wir bedankten uns für das Gespräch und warfen noch eine Spende in den Becher und wünschten Ihnen noch einen schönen Tag. Ich könnte mir gut vorstellen, dass diese beiden Männer auch Gäste in der Bahnhofsmission sind, um sich ab und an mit Essen und Trinken zu versorgen. In den Einkaufsstraßen von München, mit all seinen exklusiven Geschäften, hat man den Eindruck von sehr wohlhabenden Menschen, die diese Stadt bewohnen, allein schon aus der Tatsache heraus, dass das Leben (Wohnen) in München überdurchschnittlich teurer ist, als in anderen Städten Deutschlands. Das macht es vielleicht für Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, noch schwieriger zumindest die Grundbedürfnisse mit den vorhandenen Mitteln zu decken. Mein Eindruck war aber, dass München mit seinen sozialen Einrichtungen sehr gut aufgestellt ist, um ein Netz für jene zu spannen, die der Hilfe von Anderen bedürfen.
Bei Tal 19 hat mich schockiert, aber nicht überrascht, wie sehr die Smartphone Sucht bei Kindern und Jugendlichen in der Beratungsstelle immer mehr zum Thema wird. Angehörige (Eltern) kommen vermehrt, da der Smartphone Konsum der Kinder ausser Kontrolle geraten ist. Dies stellt lt. Diana Koch eine neue Herausforderung für die Sozialarbeit dar, da dieses Phänomen durch den rasanten Fortschritt auf diesem Gebiet plötzlich in gehäufter Zahl auftritt.
Genauere Therapie-Programme zu diesem Thema werden noch nicht angeboten, jedoch gibt es in der Präventionsarbeit schon einige Maßnahmen, die gesetzt werden. Lediglich zum Thema PC Sucht, für Menschen, die zunehmend in virtuellen Welten leben, gibt es jeden ersten Montag im Monat Einzel-Beratungsstunden für Betroffene.
Wir bekamen als Goodie ein kleines Säckchen mit Süßigkeiten und ich war sehr überrascht, als ich es zu Hause mit meinen Kindern öffnete, denn hier hat man scheinbar schon auf das neue Suchtproblem mit dem Smartphone eine kleine präventive Maßnahme gesetzt.